Teil 4 · Statistische Inferenz und medizinische Statistik
Übungen
10 · Inferenzstatistik und Hypothesentests
Nutze den Kohorten- und Labordatensatz (geladen mit load_cohort() und load_labs()).
Versuche jede Aufgabe zuerst in Python, dann in R. Lösungen: loesungen.md.
Für jede Aufgabe gilt: p + Effektgröße + Konfidenzintervall berichten, nie p allein.
Aufgabe 1 – p-Wert interpretieren
Führe einen Welch-t-Test durch: Unterscheidet sich der SOFA-Score zwischen Patient:innen mit und ohne Diabetes? Berechne auch Cohen's d und das 95-%-KI der Mittelwertdifferenz.
Formuliere anschließend in einem Satz in eigenen Worten:
- Was der p-Wert in diesem konkreten Fall bedeutet.
- Benenne eine häufige Fehldeutung, die du aus der Literatur kennst.
Tipp: Cohen's d = (M₁ − M₂) / gepoolte SD. Welcher Effektstärken-Bereich wäre klinisch auffällig?
Aufgabe 2 – Normalverteilung prüfen
Prüfe laktat_mmol_l auf Normalverteilung (Shapiro-Wilk-Test). Berechne dazu zusätzlich
die Schiefe und erstelle ein Histogramm.
Beantworte:
- Ab welcher Stichprobengröße verliert der Shapiro-Wilk-Test an Trennschärfe, und warum?
- Welcher Hypothesentest ist bei nicht-normalverteilten Daten die robustere Wahl?
Tipp: Achte auf den Unterschied zwischen statistischer Signifikanz des Shapiro-Tests und praktischer Relevanz der Abweichung.
Aufgabe 3 – Chi-Quadrat-Test
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Raucherstatus (aktiv vs. nicht-aktiv) und 30-Tage-Mortalität? Berechne χ², p und Cramér's V.
Schritte:
- Binarisiere
raucherstatuszu zwei Gruppen:"aktiv"vs."ehemalig"/"nie". - Erstelle eine Kontingenztabelle.
- Berechne χ² und Cramér's V.
- Interpretiere den Befund klinisch, auch dann, wenn p > 0,05.
Tipp: Cramér's V nahe 0 heißt nicht, dass kein Effekt existiert, es könnte auch an mangelnder Power liegen. Was bräuchtest du, um das zu klären?
Aufgabe 4 – Konfidenzintervalle vergleichen
Berechne das 95-%-KI für das mittlere Laktat in den drei Gruppen:
"Sepsis", "Pneumonie", "Herzinsuffizienz".
Besprich anschließend:
- Überschneiden sich die KI zweier Gruppen, schließt das statistische Signifikanz aus?
- Wie würdest du prüfen, ob die Sepsis-Gruppe ein signifikant höheres Laktat hat als die Pneumonie-Gruppe?
Tipp: Das KI der Differenz (nicht der Einzelgruppen) ist die korrekte Grundlage für einen formalen Vergleich.
Aufgabe 5 – Multiples Testen
Teste für alle fünf Labormarker (leukozyten_g_l, haemoglobin_g_dl,
kreatinin_mg_dl, laktat_mmol_l, natrium_mmol_l), ob sie sich zwischen
Überlebenden und Verstorbenen unterscheiden (Welch-t-Test).
Wende danach Bonferroni und Benjamini-Hochberg (FDR) an.
Beantworte:
- Welche Marker bleiben nach Bonferroni signifikant?
- Wo unterscheiden sich Bonferroni und BH-Ergebnis?
- Wann würdest du BH einem Reviewer gegenüber bevorzugen?
Tipp: Verwende statsmodels.stats.multitest.multipletests (Python) bzw. p.adjust (R).
Bonus – Power-Analyse
Berechne die Power des Welch-t-Tests (α = 0,05, zweiseitig) für den Laktat-Unterschied Sepsis vs. Nicht-Sepsis bei den beobachteten Stichprobengrößen und dem beobachteten Cohen's d.
Frage außerdem: Wie viele Patient:innen je Gruppe wären für Power = 0,8 nötig?
- Python:
statsmodels.stats.power.TTestIndPower - R: Paket
pwr, Funktionpwr.t.test
Was bedeutet Power = 0,8 konkret, und was folgt daraus, wenn die Power deutlich darunter liegt?
Kritische Zusatzfrage (Vorgriff auf Modul 13 (Studiendesign und Power)): Ist die hier berechnete „beobachtete Power" (aus dem tatsächlich gemessenen Effekt, im selben Test, den du gerade nicht-signifikant gefunden hast) eine sinnvolle nachträgliche Rechtfertigung für das nicht-signifikante Ergebnis? Was wäre der korrekte, prospektive Verwendungszweck einer Power-Berechnung?